
Der erste Blick vom Vorplatz. In Berlin fiele die Kirche kaum auf. Hier staunt der Wanderer. So gotisch, wie sie aussieht, ist sie nicht: Einweihung im Mai 1869. Aufgepaßt: Mit diesem Einweihungsdaten ist sie älter, als die Vielzahl neogotischer Bauten der Gründerjahre! Über die Vorgeschichte belehrt die Zeittafel.
Das Auto stört natürlich das Bild, aber es gehört dazu (Pastor).
An der Kirche sah man (bis 2005)links die Ruinen zweier Anbauten, die früher jeweils eine Treppe mit Zugang zum Kircheninneren enthielten und den beiden Patronatsfamilien getrennten Zutritt auf eine mittig getrennte Empore boten, damit sich nicht etwa die herrschaftlichen Familien versehentlich mischen konnten. Man sollte aber nicht zu hämisch sein, immerhin haben die Patrone, die Freiherrn von Mecklenburg (auf Pantlitz) und die Familie von Stumpfeldt-Lillienanker (auf Daskow) den ganzen Spaß bezahlt, da kann man sich schon mal eine Schnurre leisten.
Über den Wiederaufbau und eine sinnvollere Nutzung dieser Anbauten ist intensiv nachgedacht worden. 2005 konnten sie mit Hilfe von EU-Fördermitteln wieder Instand gesetzt werden. Mehr zu den Projekten und ihrer Verwirklichung bieten unsere entsprechenden Seiten (Siehe die Menü-Einträge)

Vom Tor grüßt freundlich ein bärtiger Mann, nach zuverlässigen Quellen soll es Philipp Melanchthon (1497-1560), der Reformator und Freund Luthers sein. Seine wichtigsten Verdienste waren es, daß er in der evangelischen Lehre Humanismus und Wissenschaft positiv zur Geltung brachte, daß er die Verantwortung des Christen für die "Welt" betonte. Er förderte und verbesserte entscheidend das Erziehungs- und Schulwesen. Zu sagen, er sei der Schutzheilige der modernen, "aufgeklärten" Welt, ist zwar mutig, aber nicht völlig falsch.
Wäre sein Gesicht hier nicht in Stein gefaßt, es würde sicher über viele Neuerungen und Verbesserungen im Erziehungs- und Schulwesen weinen.
Auf der anderen Seite lächelt traurig, stark verblaßt (wie sein Einfluß), der gute Martin Luther.

Blick zurück durch das Tor auf eine der Dorfstraßen.
Die Friedhofsmauer, von der hier nur ein winziger Abschnitt zu sehen ist, wurde nach der Wende durch ABM-Kräfte liebevoll erneuert. Überraschenderweise entspricht sie aber so ordentlich, wie sie nun aussieht, nicht den Vorstellungen der Vorväter. In einem Bau-Gutachten des Geheimen Baurates Rösener aus Stettin von 1925 heißt es über die Friedhofsmauer:
"II. Umwehrung des Friedhofes.
Stützmauer; aus runden Feldsteinen aufgepackt, vor kurzem wiederhergestellt. Die Fugen müssen aber, damit sie nicht wieder auseinanderfällt, noch mit Moos und kleinen Steinen ausgestopft werden, außerdem ist eine Abdeckung von oben nötig (dünner Lehmschlag, etwas muldenartig ausgeführt, darüber eine schwache Lage Humus, darauf Rasenpatzen)."
Man stelle sich vor, wie bei heutigem Ordnungssinn alle 14 Tage jemand mit einem elektrischen Rasenmäher die Mauer längs balanciert. Hohes Gras auf der Friedhofsmauer, igitt! Rein ökomäßig wären natürlich auch Ziegen recht.
Die Wappen am Anbau, der hier im Bild noch nicht erneuert ist, erinnern sehr an die des Mecklenburger Fürstenhauses. Damit es kein Unkundiger mißversteht, die Mecklenburger waren nicht die Landesherrn von Pantlitz, ein als illegitim geltender Zweig der Familie hatte lediglich ein Besitztum im "Ausland", nämlich im preußischen Pommern. Der ganze mecklenburgische Besitz in Pantlitz und Umgebung wurde, wie auch alle anderen Güter de Umgebung, 1920 enteignet. Das hatte im Falle des Gutes Pantlitz einen Rechtsstreit zur Folge, der 1924 endete. Im Jahre 1931 versuchten Erben es dann auf europäischer Ebene, (man vgl. unseren Bericht dazu) Diese Enteignungsgeschichte war ein Krimi eigener Art, nicht unbedingt eine rechtsstaatliche Glanzleistung; wahrscheinlich so eine Art ABM für Juristen. Weitere Informationen dazu enthält die Chronik von Ahrenshagen, die 1999 im Druck erschien.


Hier paßt ein verbreiteter Kalauer: Das schönste an der Kirche ist der Blick vom Turm. (Weil man sie dabei nicht sieht!)
Der Frühlingsblick auf einen Teil des Dorfes. So idyllisch sich die wenigen Häuser, Schuppen und Abfallhaufen in die Landschaft einordnen, in Pantlitz ging es, wie die Zeittafel zeigt, meist weniger idyllisch zu.

Dies ist der Ausblick, der allein den Besuch lohnt, leider bei etwas diesigem Wetter. Man sieht das Tal der Recknitz, in welchem ursprüngliche Natur herrliche Wandermöglichkeiten bietet. Für Ostseeurlauber, die außer Himmel, Wasser und Sand auch einmal wirklich grünes Grün sehen wollen, der Geheimtipp.

Der etwas andere Blick auf den Friedhof - was lehrt er uns?
Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland.
Hier reis ich bis zum Grabe; dort in der ewgen Ruh
ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu.
Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus.
Wenn mein Ziel ausgemessen, so tret ich dann hinaus;
und was ich hier gebrauchet, das leg ich alles ab,
und wenn ich ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab.
Du aber, meine Freude, du meines Lebens Licht,
du ziehst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht
ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll
gleich wie die helle Sonne mit andern leuchten soll.