Dieser Bericht ist einer Chronik der pommerschen v. Thuns entnommen, die in einer recht fehlerhaften Abschrift vorliegt. Die Schreibung wurde bis auf offensichtliche Schreibfehler so übernommen, wie vorgefunden. Falls Personen- oder Ortsnamen nach den zeitgenössischen Maßstäben falsch geschrieben sind, lasse man es uns bitte wissen!
Der jüngere Bruder (von Gustav Friedrich v. Thun) Otto Christoph, geboren den 10ten Juli 1664, befand sich lange unter Vormundschaft und nachdem er ebenfalls, wie sein Bruder in schwedische Kriegsdienste und in dasselbe Regiment Mellin getreten, zog er 1691 mit dem Pommerschen Reichskontingent an den Rhein und machte dann als Volontair bei der holländischen Armee die Campagne (=Feldzug) in Brabant mit. Bei der Rückkehr nach Stettin erhielt er die Compagnie seines verstorbenen Bruders und nahm im Jahre 1702 seinen Abschied, um sich in Schlemmin, das ihm durch den Tod von Gustav Friedrich mit Zornow, Ahrenshagen und Neuen-Rostock (später Neuenrost) zugefallen war, seinen bleibenden Wohnsitz aufzuschlagen. -
Später erhielt er auch noch aus der Erbschaft seiner beiden Oheime Friedrich und Julius von Hoben das Gut Volksdorf. Im Jahre 1698 hatte er sich mit der reichen Anna Johanna von Negendanck vermählt. Er war ein kräftiger und dabei freundlicher Mann und hat seine Besitzungen wieder sehr in Aufnahme gebracht, theils durch Abtragung alter Schulden, die z.B. zuerst von Barold von Thun in den Jahren 1442 und 1444 aufgenommenen und später von verschiedenen seiner Nachfolger bedeutend vermehrten Barthschen Kirchenschuld am 11ten August 1700, teils auch durch bessere Bewirtschaftung der Aecker sowie durch mancherlei Neubauten. Unter den letzteren waren der ganze Hof zu Schlemmin und die drei großen Gebäude gegenüber, auch baute er das alte Herrenhaus um, behielt aber den älteren Teil mit dem Burgverließ bei.
Als das zu Schlemmin gehörige aber nach Langenhanshagen eingepfaffte (Schön! Soll heißen, dort amtierte der zuständige Pastor) Bauerndorf Lentershagen, das schon 1669 als ein wüstes vorkommt, vollends abbrannte, ging Otto Christoph daran einen neuen Ort zu gründen, ließ zu dem Zweck einen Teil des Waldes ausroden und die ungeheuren Eichstämme desselben auf großen Haufen verbrennen, ein Beweiß, welch einen geringen Werth das Holz damals im Lande hatte. Der Neubau wurde zur Erinnerung an den Wald Eickhof genannt und nach Schlemmin eingepfarrt.
Otto Christoph starb 1743 und ist mit seiner Gemahlin, die ihn vier Jahre überlebt hat, in einer besonderen Gruft in der Kirche zu Schlemmin beigesetzt. Er hinterließ zwei Söhne und eine Tochter, - Agnes Eleonora, geb. 1712, die sich 1745 mit ihrem Vetter, dem Königlich Polnisch-Chursächsischen Oberist-Lieutenant, nachmaligen Landrath Victor Christian von Thun, Erbherr auf Tribohm vermählte. Der ältere der Söhne Joachim Friedrich geboren am 6ten November 1699, folgte seinem Vater im Besitz von Schlemmin, Zornow, Ahrenshagen und Neuen-Rostock.