Friedrich Wilhelm IV., 1795-1861, von 1840 bis 1861 König von Preußen, der "Romantiker auf dem Thron", war ein begeisterter Architekt und interessierte sich speziell für die "schöne und wirkungsvolle Gestalt der Gebäude und ihre Einbettung in landschaftliche Zusammenhänge". Sein Besuch galt sicher auch dem neuen Schlemminer Schloß.
Der folgende Bericht des Pfarres Halleen findet sich im Kirchenbuch. Er ist, was die Rechtschreibung angeht, getreulich übernommen. Bei den Eigennamen könnte es Schreibfehler geben, weil die alte deutsche Steilschrift nicht immer eindeutig zu lesen ist. Wem Fehler auffallen, der lasse sie uns bitte wissen.


Laßt uns Gott den Herren bitten, daß Sein heiliges Wort und Segen, in diesem Lande, in dieser Pfarre und in diesem Hause nun und nimmermehr aufhören, wohl aber sich kräftig und fruchtbar zeigen für dieses und das zukünftige Leben - wie heut.
Als unser Allergnädigster König Friedrich Wilhelm IV. im Sommer dieses Jahres auf Rügen badete, erfreute Se. Majestät unser Schlemmin mit einem Besuche, blieb die Nacht im Schlosse und schrieb zum ewigen Andenken obige Worte höchst eigenhändig in die Hausbibel der Herrschaft und diesen Namenszug in dieses Kirchenbuch auf Ersuchen des Pastors, beides mit blauer Tinte (was wiederherzustellen ist.) Erzählen wir das festliche Ereigniß näher.
Am 18ten August di. J. erwartete Herr Generallieutenant W. von Thun, Excellenz, den Königlichen Besuch, der ihm schon vor Jahren verheißen und kürzlich in Putbus gnädigst bestimmt zugesagt war. Um 5 Uhr Nachmittags stellte sich der Küster Maahs mit der Schuljugend in Sonntagskleidern unter einer hohen Ehrenpforte von Eichenlaub und Blumengewinden, vor dem Parke auf, wo der Weg von Semlow her ins Dorf führt, um den geliebten Landesvater mit einem:
"Heil Dir im Siegerkranz" willkommen zu heißen. Vom Hofthor bis an die Schloßbrücke standen ebenfalls festlich geschmückt die Leute der Dorfschaft, rechts die Frauen mit Harken, links die Männer mit Sensen reihenweise, um den theuren König mit lautem Hurrah! zu begrüßen. Auf dem Schlosse waren die hochbeglückte Familie des Schlosses und ein Kreis von Ehrengästen des benachbarten Adels zum Empfange Sr. Majestät bereit. Wir nennen die von Gadows', von Hennigs, von Hertel, Baron von Schultz-Ascheraden, der Herr Ober-Präsident von Senst-Pilsach, der Präsident Graf von Krassow und der Landrath von Schlagenteufel trafen mit dem Könige zugleich ein; vorauf ritt dem Königl. Wagen der Rittmeister von Wuthenow-Forkenbeck. Gegen 8 Uhr erfolgte glücklich (Dieses Glück kann man wohl nachempfinden, immerhin wartet die Volksmenge seit vollen drei Stunden, hoffentlich hat es nicht auch noch geregnet!) die Ankunft Sr. Majestät, in Begleitung des Ministers des Kgl. Hauses, Grafen zu Stolberg-Wernigerode (das ist der Erbauer von Schloß Wernigerode), des Flügeladjutanten Major von Schlegel und des Kgl. Leibarztes, H. Geheimrath Grimm. Hoch verwundert blickte der König zum Schlosse hinauf.
Se. und ihre Existenz, geb. von Senden, früher Hofdame Ihrer Majestät ....Gaste bis auf die Stufen des Portales ....
Dann schritten Se. Majestät mit Wirth und Wirthin durch die Galerie, freundlich alle Gäste grüßend, und verweilten in den Zimmern der Frau Generalin einige Minuten im Gespräch. Mit dem König kehrte der Wirth alsbald zu den versammelten Herrn zurück, unter welchen sich der Pastor des Orts befand, und stellte Sr. Majestät dieselben vor. Darauf trat der König an das Fenster, um den Lebehochs der Patrioten aus Stadt und Land und der jubelden Volksmenge zu danken, und nahm sofort das Wohnhaus von außen in Augenschein zur grossen Freude der draußen harrenden treuen Unterthanen, alt und jung. Der König trug einen Militair-Oberrock, das Gefolge Galla-Uniform, die Gäste Civilkleidung; die Bedienung des Hauses prachtvolle von Thunsche Livreé. Der Abend brach herein, als Se. Majestät wieder eintraten, und man setzte sich zur prächtig mit Silberaufsätzen verzierten Tafel im glänzend erleuchteten Speisesaale. Unter dem Fenster spielte ein Musikchor aus Stralsund; um 11 Uhr erhoben sich Alle und nach dem Kaffe, eine halbe Stunde später, zog sich der König in die zur Aufnahme seiner Majestät bereiteten Zimmer des rechten Flügels zurück.
Am Morgen des 9ten August stimmte beim Erwachen Sr. Majestät ein kleiner Männerchor vierstimmig das Lied an: Wie schön leucht't uns der Morgenstern! unter Mitwirkung des Pastors und der Lehrer aus Schlemmin, Tribohm, Semlow und Arenshagen; wofür der König wiederholt sehr freundlich dankte. Nach dem Frühstück nahmen des Königs Majestät mit dem Gefolge, dem Pastor und der Familie noch den Park theilweise in Augenschein, das Borkhäuschen, mehrere Steine aus Italien (gibt es die noch?), deren Einer aufzurichten sei, und verließen um 9 Uhr Vormittags unser Dorf, von der geehrten, dankbaren Familie wie beim Empfange, so auch beim Abschiede am Wagen begrüßt, von vielen stillen Segenswünschen begleitet, auf dem Wege über Neuenrost.
Daß dem Königlichen Herrn so recht wohl in Schlemmin gewesen, sprach Er huldvoll dankend aus; möge auch der obige Allerhöchste sehr fromme Kgl. Wunsch an einem Jeden von uns in Erfüllung gehen, an Gemeinde, Herrschaft und Pfarre.
Das walte Gott! Amen -