Der folgende Text entstammt dem Kirchenbuch der Gemeinde Schlemmin, das 1853 von Pastor Halleen begonnen wurde. Die Schreibung wurde, ausgenommen offensichtliche Schreibfehler, übernommen, wie vorgefunden.
Am 3. November 1878, am Reformationsfeste, ward die schöne um= und ausgebaute Kirche durch den Generalsuperintendenten Dr. Jaspis eingeweiht. Die Mittel zum Ausbau waren zum Theil aus der Kirchenkasse entnommen, zum Teil durch die Güte des Patronrates dargereicht. Herr Architekt Walter, der bei dem Umbau der Franzburger Kirche seine Tüchtigkeit bewiesen hatte, hatte auch hier den Bauplan ausgefertigt und den Bau geleitet.
Den Sommer hindurch wurden die Gottesdienste in den herrschaftlichen Palmenhause gehalten, das mit einem provisorischen Altar und den bisherigen Kirchenbänken ganz würdig ausgestattet war.
Von dort aus zog an genanntem Tage 10 Uhr Morg. die Gemeinde, unter dem Geläute der Glocken zur Kirche. Nach einem kurzen Abschiedsgottesdienste hatte vor dem Palmenhause sich der Festzug geordnet. Die Schuljugend und erwachsene Sänger gingen voran. Die Gemeinde=Ältesten, die Altarbibel und die heil. Geräte tragend folgten. Dann kam der Herr Patron mit seiner Gemahlin, der Herr Generalsuperintendent inmitten des Superintendenten (Klinke) unserer Synode und des Ortsgeistlichen, endlich zahlreiche Gäste der Herrschaften und Gemeindeglieder. Der Kirchhof war neuerdings sorgfältig geebnet und verschönert. Auf ihm hielt der Zug.
Vor der verschlossenen Kirchthüre erwarteten uns die Meister, in deren Hände vorzugsweise der Bau gelegt war. Herr Architekt Walter trat aus ihrer Mitte hervor und überreichte nach einer kurzen Ansprache dem Herrn Patron den Kirchenschlüssel. Er schloß mit dem Bekenntnisse, daß Gott dem Herrn für das freudig begonnene und ohne Unfall vollendete Werk die Ehre gebühre. Darauf sprach der Herr Patron, Graf Bolko zu Stolberg=Wernigerode, anknüpfend an den 127. Psalm, die freudige Hoffnung aus, daß hier nicht umsonst gebaut sei, dass unsere schöne Kirche ein gesegnetes und segenspendendes Gotteshaus sein und bleiben werde. Den Schüssel erhielt nun der Herr Generalsup. und von diesem der Ortsgeistliche. -
„Thut mir auf die schöne Pforte...” sang die Festgemeinde, der Pastor öffnete die Thür und ließ den Herrn Patron und seine erlauchte Gemahlin zuerst eintreten. Der ganze Festzug folgte. -
Ein gar lieblicher Anblick bot sich den Eintretenden dar. Wie schön und würdig war der Altarraum geschmückt! Wie sinnig ist die Rückwand des Altars selbst gedacht, wie schön in Eichenholz gearbeite! Ein Münchener Meister hat die Bilder eines Abel, eines Isaak, des Melchisedek und des Aaron sauber geschnitzt. (Dies „sauber”: Eine taktische Meisterleistung, in bayrischen Ohren höchstes Lob, in deutschen unmißverständlicher Tadel!)
Über diesen alttestamentlichen Vorbildern des hohenpriesterlichen Amtes Christie hängt der ewige Hohepriester selbst. Der Leib des Herrn ist von demselben Meister gearbeitet. Das Kreuz wie auch die ganze Rückwand und auch die Kanzel sind in der Mackenthunschen Werkstatt zu Stralsund schön gearbeitet. Auf der Rückwand des Kruzifixus bezeugt eine silberne Tafel, daß dies ein Geschenk denn Gräflich=Solmsschen Familie zu Altenhagen ist. Die vergoldeten Schranken des Altars sind in Barth gemacht. Die neue, reich gestickte Altardecke ist nach Vorschrift des Herrn Walter gearbeitet. Die beiden kleineren Altarleuchter und ein Taufbecken, auf dessen Boden Adam und Eva sich zeigen, sind vom Herrn Grafen Solms geschenkt, ebenso ein älterer Schiebeleuchter, der an der Seite des Beichtstuhles resp. des Lesepultes angebracht ist.
Die Armleuchter in dem Altarraume sind ein Geschenk des Herrn Regierungspräsidenten Graf Bähr zu Semlow, während die leichteren Armleuchter im Schilf der Kirche von den hiesigen Herrschaften gestiftet sind. Der größere Kronleuchter mit der Inschrift „Dein Wort ist ... Leuchte ...” ist von den Herren Grafen Krassow zu Diwitz und v. d. Gröben zu Martenshagen geschenkt. Was in der Kirche zu malen war, hat der Malermeister Pahnke aus Barth mit seinen Gehilfen gemacht. Der Maurermeister Fründt aus Barth hat die Zimmer= und Maurerarbeiten, der Meister Christen daselbst die Tischlerarbeit angefertigt. Mit großem Fleiße und möglichster Sorgfalt war von allen Betheiligten die Arbeit hergestellt. Daß während des Baues sich herausstellte, es könnten die früher durch eine Art Tonnengewölbe verkleideten Balken nicht bloßgelegt liegen bleiben, da ihre Stärke und ihre Entfernung voneinander verschieden ist --
sollte sehr zur Verschönerung der Kirche dienen, denn es wad nun die jetzige schöne Decke mit vergoldeten Schrauben an jenen Balken befestigt. Ebenso diente es zum Schmuck der Kirche, das es nöthig erschien, die Seitenwände derselben dort zu stärken, wo das Schiff sich von dem Chor der Kirche trennt. Es entstand aus diesem Grunde der schöne Triumphbogen, der früher ganz fehlte. In sehr passender Weise ward in seine unmittelbare Nähe jetzt die schöne Kanzel verlegt, die früher mehr in der Mitte, an der Rückwand der Kirche sich befand. Abgebildet sind an der Kanzel die Apostel Johannes, Petrus, Paulus und Jacobus mit ihren besonderen Emblemen. --
Ueber dem schön gearbeiteten Gestühl der Herrschaften rechts und links vom Altar ist das Wappen der Gräflich= Stolberg= und der Gräflich= Solmsschen Herrschaften angebracht, einmal geschnitzt und zum anderen mal aus buntem Glase droben am Fenster.
Mit Wappen solcher Herrschaften, die als frühere Besitzer von Schlemmin sich um die Kirche in der einen oder andern Weise verdient gemacht haben, sind die meisten anderen Fenster geschmückt.
An der Stelle des jetzigen freundlichen Beichtstuhles stand früher ein dem Verfall nahes Doppelgewölbe, in dem manche Vorfahren der Frauen Gräfin, dem Geschlechte derer von Thun angehörig, beigesetzt waren. Bei der Restauration der Kirche ward das alte Gewölbe geöffnet, die zum Teil verwitterten Särge wurden erneuert und schließlich in die neue gewölbten Grüfte unterhalb des jetzigen Beichtstuhls und außerhalb desselben nach Osten zu gesetzt. Zwei steinerne Gedenktafeln, die eine an der inneren Westseite, die andere an der äußeren Ostseite nennen die Namen der da unten ruhenden.
Die beiden angegebenen Bibelstellen lauten, für Otto von Thun: "Der Gerechte ist umgekommen, und niemand ist da, der es zu Herzen nimmt, und fromme Leute sind hingerafft, und niemand achtet darauf. Ja, der Gerechte ist weggerafft durch die Bosheit und geht zum Frieden ein. Es ruhen auf ihren Lagern, die recht gewandelt sind." und für die vier Kinder: "Jesus sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes."

Auf einer anderen Tafel steht:
Herr Otto Christoph v. Thun auf Schlemmin
geb 1664
1743
Mit seinem Gemahl Frau Anna Johanna v. Thun, g. v. Negendank
1747
„Ich bin die Auferstehung u. das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe, Jo. 11,25”
. Und zwei ihrer Kinder
„In deine Hände befehle ich meinen Geist; Du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Ps. 31,6.
Noch Einiges möge über den Verlauf des festlichen Tages berichtet werden. Die im Jahre 1841 vom Orgelbauer Buchholz zu Berlin erbaute und jetzt eben von seinem Sohne restaurierte Orgel intonierte das „O heiliger Geist ...” in das die Gemeinde im vollen Chor einstimmte. Der Herr Generalsuperintendent sprach tief und innig über 2. Corinth. 4,1 - 6. Nahm dabei eingehender Rücksicht auf das Reformationsfest, das zugleich gefeiert ward und ermahnte insbesondere zum Halten an reiner Lehre, zu gottgefälligem Wandel und zum Eifer in der Seelsorge. Mit einem warmen, knieend gesprochenen Gebet ward dann der eigentliche Weihakt geschlossen. Die Liturgie hielt Herr Superintendent Klinke aus Franzburg. Die Responsorien (=Wechselgesang in der Liturgie) und größere Gesangstücke wurden von dem Sängerchor gesungen, der durch erwachsene Gemeindeglieder und auswärtige Lehrer verstärkt war. -
Unter den herrlichen Klängen des „Ein feste Burg...” bestieg der Pastor loki (Haack) die Kanzel und hielt die Festpredigt über die Worte des 26. Psalm, V.8. „Herr ich habe lieb die Stätte...” Die Kirche selbst, wie sie dastehe ist eine inhaltsgleiche Predigt "Mensch, vergiss den Himmel nicht...", zweitens in der Kirche wird mit klaren Worten Gottes wunderbarer Heiligkeit bewiesen "Höret fleißig Gottes Wort.."
Er selbst, der Herrliche tritt hier den armen Sündern ganz besonders segenbringend am "mühselig und beladen und lass dich immer völliger erleuchten, trösten, stärken". Das alles haben wir an dem Gottes Hause. Das war der Hauptinhalt der Predigt.
Nachdem die trefflichen Herrschaften, die in den nächsten Tagen ihre Silberhochzeit zu feiern dachten, noch besonders in dieFürbitte eingeschlossen waren, ward unter Glockengeläute nach der Predigt „Herr Gott, dich loben wir” und nach einem Schlußgebete des Generalsuperintendenten der letzte Vers von „Nun danket alle Gott..” gesungen.
Am Abende versammelte sich noch einmal die Festgemeinde in dem nun schön erleuchteten Kirche, um von dem Herrn Superintendenten sich auf Grund von 1. Corinth. 3,11 bezeugen zu lassen „Jesus Christus ist der alleinige Grund unseres Heils”. Kanzel und Altar sind nunmehr geweiht!
„Hört u. bewahrt nun auch das reine Gotteswort, den alleineigen Grund unseres Glaubens; 2. gebraucht das reine Sakrament in aller Treue (das Verdienst des Herrn, das uns da zugeeignet wird, ist ja der alleinige Grund unserer Seligkeit). So etwa lautete die aus liebewarmem Herzen fließende Ermahnung, in der die Predigt gipfelte.
Verschiedene Geistliche der Umgegend, die des Reformationstages wegen am Vormittage nicht mit uns feiern konnten, hatten, zum Theil mit ihren Familien, dem schönen Abendgottesdienste beigewohnt, und saßen schließlich noch in der Pfarre in traulichem Gespräche beieinander, in ihrer Mitte der theure Oberhirte.