Der folgende Text entstammt dem Kirchenbuch der Gemeinde Schlemmin, das 1853 von Pastor Halleen begonnen wurde.
Die Schreibung wurde, ausgenommen offensichtliche Schreibfehler, übernommen, wie vorgefunden.
Adolf Anton Leonhard Eugen Halleen, geboren den 6. April 1821 zu Groß Stubben bei Garz auf Rügen - (Vater Königl. Pr. Hauptmann) wurde von Weihnachten 1828 auf dem Gymnasium zu Greifswald vorbereitet, bezog um Ostern 1840 bis Michaelis 1841 die Universität ebendaselbst und besuchte von Michaelis 1841 bis eben dahin 1843 die Hochschule zu Berlin. Danach hielt er sich als Hauslehrer in der Gollnower, Wolliner und Naugardter Synode auf und legte, mehrere Jahre durch eine Augenkrankheit (Mydriasis am rechten Auge) behindert, doch endlich durch Gottes Gnade mit Königlicher Unterstützung zu Berlin das Wintersemester 1845/46 hindurch in der Behandlung des Geh. Rath Jungken geheilt, im Januar, bzw. Februar 1849 vor dem Königlichen Consistorium zu Stettin (Bischof Dr. Ritschl theuren Angedenkens) sein erstes, und nach der vorschriftsmäßigen Zwischenzeit von 2 Jahren zu Ostern 1851 das zweite theologische Examen ab. Gelobt sei Jesus Christus!
Von Michaelis 1851 bis Neujahr 1853 als Hilfsprediger bei dem Pastor Klatt in Boltenhagen mit Genehmigung des Kgl. Consistorii angestellt, wurde er am 12. Dezember 1852 als Pastor nach Schlemmin vocirt von dem Patrone, Herrn Wilhem Ulrich von Thun, Generallieutenant a. D., Früher Königl. Preußischem Gesandten in Kassel, später in Stuttgard, und ward zu Schlemmin am 8ten Sonntage nach Trinitatis 1853 nach vollendetem 32ten Lebensjahre in sein Amt eingeführt von dem Herrn Superintendenten v. Willich, laut Vorschrift der Pommerschen Kirchen=Ordnung; Nachdem er am Sonntage vorher von dem Herrn Konsistorialrathe Dr. Ziemssen in der St. Marienkirche zu Stralsund am Schluß des Hauptgottesdienstes nach beendigter Predigt des Ordinanden die feierliche Ordination empfangen hatte. Der Herr sei mir armen Sünder gnädig, und segne mich, daß ich in meinem Amte viel Frucht schaffe zu seiner Ehre! Amen. -
Am 10. September 1853 verheirathete er sich mit der zweiten Tochter des Kgl. Preußischen Hauptmanns a. D. Herrn Heinrich in Bahn, Pauline Adelheid Louise, welche ihm eine treue Gehülfin in allen Dingen gewesen ist und ihm folgende Kinder hierselbst geboren hat:
1. Paul Wilhelm Anton, geb. d. 26. Dez. 1854, get. 10. Januar 55,
2. Martha Elisabeth Friederike, 11. Febr. 1857, „ 3. März 57,
3. Johannes Friedrich Adolph, 19. Mai 1858, „ 7. Juni 58,
4. Maria Adolphine Carolina, 4. Jan. 1860, „ 20. Jan. 60,
5. Elisabeth Charlotte Ernestine, 31. Dec. 1860 „ 9. Jan. 61,
6. Eva Luise Pauline, geb. d. 21. Febr 1863 „ 12. März 1963,
7. Carl-Adolph Johannes „ 25. Juni 1864 = 15. Juli ej. A. 64.
8. Emma-Lydia Wilhelmine „ 6. Juni 1866 = 12. Juli ej.
9. Wilhelmine Emma Victoria geb. 18 Juli get. 12. Aug. 1870
10. Wilhelm Julius Constantin, „ 27. Mai, get. 7. Juni 1874
Im Jahre 1868 beurlaubte sich der Pastor auf 3 Monate mit Vertretung durch die Synode und ging zunächst nach N. York, von da aber weiter ins Land nach Canada hinein. Daselbst verwaltete er ein Viertel Jahr für den sterbenskranken Pfarrer Behrens, - früher Missionar in Ostindien - , das Pfarramt in Normanby Trp., Grey Co. Ontario - und kehrte nach etwa 5 Monaten im Ganzen recht befriedigt aus N.Amerika zurück.
Darum verließ er im Herbste des J’s 1875 zunächst mit seiner ältesten Tochter Martha das deutsche Vaterland und begab sich, im Einverständniß mit dem Patronate und von demselben nicht wenig bei seinem Vorhaben unterstützt, abermals nach Kanada, wo sich bereits seit 4 Jahren 4 Monaten etwa der obengenannte älteste Sohn Paul dauernd an einundderselben Stelle aufhielt.
Bis Ostern 1876 bleibt die Familie, nochmals ½ Jahr von der Synode Franzburg freundlich vertreten, im Besitz der Pfarre, auf welche der Pastor zum 1. April des J’s 76 resignirt hat. Qoud Deus Bene Vertax. (Hilfe, was heißt das? Etwa: "Wie wirbelt Gott gut" [von vertex?])
Ergänzung in neuer Handschrift (Pastor Haack):
Der Bruder Halleen ist 1877 in Amerika, wo er in Kanada einer größeren Pfarre als Geistlicher vorstand, gestorben. Er hat dort wie hier treu seine Kräfte im Dienste des Herrn verwendet. Von seinen Töchtern sind bereits zwei in ihrer neuen Heimat an luth. Pastoren verheirathet. (... womit sie ihrer Bestimmung gemäß untergebracht sind!)
Was bewegt einen wahrscheinlich gut versorgten Vater in Lebensstellung und in Jahren heftigen wirtschaftlichen Aufschwungs im Alter von 56 Jahren mit Frau und mindestens 4 minderjährigen Kindern auszuwandern?