Der folgende Text entstammt dem Kirchenbuch der Gemeinde Schlemmin, das 1853 von Pastor Halleen begonnen wurde, und in das er Texte aus Gemeindeunterlagen übernommen hat. Die hier zitierte Notiz der Pastors Kuss ist original nicht erhalten.
Die Schreibung wurde, ausgenommen offensichtliche Schreibfehler, übernommen, wie vorgefunden.
David Wilhelm Kuss 1718 - 1758 (hier irrt der Autor Halleen, P. Kuss starb bereits 1757!), giebt in einem pro Memoria von 1719 und folgenden Jahren Auskunft über eine halbe Kirchenhufe zu Neuen Rostock und führt aus dem Munde des Herrn Iven zu Pantlitz und des Jägers Josua Schultz zu Neuenrost an, daß der Hauptmann Otto Christoph von Thun auf dieser halben Hufe (zu den Maßen siehe unten), welche der Kirche gehört, habe Holz zum Verkauf fällen lassen und die Wiese unter seine Leute verteilt. Das ist aber gewiß keine Beeinträchtigung der Pfarre gewesen, sondern von dem großmüthigen Wohlthäter der Kirche, Herrn Hauptmann O. Chr. von Thun, steht zu erwarten, daß die Kirche ihre 2 Hufen und 2 Morgen, wo nicht auf Neuenroster, so doch gewiß auf Schlemminer Grund und Boden gehabt und behalten haben wird. Dasselbe beweist auch der zwischen dem Herrn Oberschenken Joach. Friedrich von Thun und dem D. W. Kuss 1745 beschlossene Tauschcontract, nach welchem damals an dem Pfarrareal bei jeder Hufe 14 Ruthen gefehlt (1 preußische Ruthe = 3,766 m, es fehlten also ca. 53 m in der Länge. Die Breite wird nicht angegeben, im Prinzip gab es bei Hufen seit der Karolingerzeit feste Seitenverhältnisse; wenn der Acker nicht gerade ein Feldweg war, fehlte also eine ganze Menge Land!), die aber das Patronat freiwillig hinzugelegt habe, so daß die Pfarre und Kirche seitdem wieder im vollen Besitze ihrer Ländereien, nämlich von zwei Morgen Vicarienacker und von 2 Landhufen à 30 pommersche Morgen, zusammen 62 Morgen pommersch (pommersche = preußische Morgen? 1 preußischer Morgen = 0,255 ha, also geringfügig größer als ein heutiger Morgen) geblieben ist. -
Zur Zeit der Pastoren Kölpin und Kuss ist das Dorf Eikhof zur Parochie hinzugelegt.
Aus dem vorliegenden Schreiben eines Nachfahren gehen weitere Lebensdaten hervor: D. W. Kuss, Geburtsdatum unbekannt, aus Rostock stammend, ist ab 2.7.1718 Pfarrer in Schlemmin, heiratet am 7.11.1720 in Velgast Dorothea Elisabeth Oehmichen, verstarb am 13.08.1757 in Schlemmin. Seine Frau ist gestorben am 24.6.1774.
Der Text belegt, daß die Patrone, obwohl von ihnen meist mit hoher Ehrerbietung gesprochen wird, diese nicht immer verdienten.
Der Pastorwald dient dem Lebensunterhalt der Pastorenfamilie und die einzige nennenswerte Einkunft, die ein Wald bringt, ist der Holzertrag. Da der Patron die Gerichtsbarkeit innehatte, gab es für den Pastor keine Möglichkeit, gegen Räubereien dieser Art vorzugehen. Seine Pantlitzer Kollegen haben ähnliche Probleme (vgl. die Zeittafel zu Pantlitz) und versuchen sich zu wehren, was auf Dauer erfolglos bleibt.
Die Bewertung des Vorganges durch Pastor Halleen, der sich hier ganz als Kind seiner Zeit erweist: "Das ist aber gewiß keine Beeinträchtigung ..." berührt uns heute unangenehm. Zwar kümmern sich seine Patrone in vorbildlicher Weise um die wirtschaftlichen, sozialen und kirchlichen Belange Schlemmins; muß man deswegen die ganze Institution heilig sprechen?