Ein Artikel der Pommerschen Kirchenzeitung vom 10. Februar 2001, verfaßt von EPD-Korrespondent Raimund Nitzsche, dessen Text wir, seine freundliche Genehmigung voraussetzend, hier wiedergeben.
ie Orgel in der Schlemmin der Kirche, 1841 von Carl August Buchholz erbaut, macht einen nicht gerade gesunden Eindruck. Die teilweise fehlenden Beschriftungen an den Registerzügen sind dabei noch das geringste Übel. Denn auch wenn man einen Freiwilligen zum Treten des Blasebalgs findet, dürfte man der "Königin der Instrumente" kaum eine sinnvolle Melodie entlocken können. Und so schweigt sie, mindestens seit 40 Jahren schon.
"Das hier dürfte die Handschrift des Orgelbauers sein", sagt Karl Wienecke und zeigt auf die säuberliche Beschriftung auf einer Orgelpfeife aus Kiefernholz, die er gerade ausgebaut hat. "Subbass 16' Nr.4" steht da mit Bleistift geschrieben. Auch die anderen hölzernen Pfeifen sind nach 160 Jahren noch gut erhalten. Anders als bei vielen anderen Holzteilen in der Kirche wurden sie von den Holzwürmern verschont. Damals wussten die Handwerker noch, wann man die Kiefern schlagen und dass das Holz langsam trocknen musste.
Nur so konnten sie halbwegs sicher sein, dass die Holzwürmer keinen Geschmack an ihnen finden, erzählt der Orgelbauer von der Rostocker Firma Martin-Christian Schmidt. Erst heute würden Wissenschaftler mühsam den Zusammenhang zwischen Mondphasen und Jahreszeit des Holzeinschlags mit der späteren Anfälligkeit für Schädlinge untersuchen.
Doch anderes sieht es mit den Metallpfeifen aus. Mit Holzlatten wurde der Orgelprospekt verkleidet, nachdem 1917 die polierten Prospektpfeifen für die Rüstungsproduktion abgeliefert werden mussten. Und die übrigen wurden in den 60ger Jahren wegen angeblicher Korrosion herausgenommen und achtlos in eine Kiste geworfen. Einige Pfeifen sehen deshalb verbeult aus, viele fehlen. Und keiner kann so ganz genau sagen, ob nicht etliche von ihnen inzwischen in andere Orgeln von Buchholz eingebaut wurden. Er vermute, dass es zu einem heimlichen Austausch gekommen sei, meint Wienecke. Anders sei es nicht erklären, dass sich beim Sortieren auch Pfeifen gefunden hätten, die bestimmt nicht nach Schlemmin gehören.
Jetzt müssen die fehlenden Pfeifen neu angefertigt werden, die beschädigten sollen möglichst repariert werden. Am Ende soll das Instrumenten möglichst genau so klingen, wie zur Zeit seines Baus. Etwa 28.000,- soll die Restaurierung insgesamt kosten. 7100 (DM 14.000 Mark) davon stammen von der Hamburger ZEIT-Stiftung, die gemeinsam mit den beiden Landeskirchen in Mecklenburg-Vorpommern und der Landesregierung die Rettung zahlreicher historischer Orgel unterstützt.
Denn die Schlemminer Orgel ist ein Denkmal für den Orgelbau des 19. Jahrhunderts in der Region. Zwar gibt es sehr viele Buchholz-Orgeln hierzulande. Doch die meisten sind in späteren Zeiten stark verändert und dem jeweiligen Zeitgeist angepasst worden. In Schlemmin, so scheint es, hatte man dafür nie genügend Geld. Hier ist bei allen Schäden noch eine echte Buchholz-Orgel erhalten geblieben. Nicht einmal ein elektrischer Blasebalg wurde bislang eingebaut. Und das soll die einzige Modernisierung sein, wenn die Schlemminer Orgel zu Ostern nach 40 Jahren erstmals wieder erklingen wird.