Die Kirche in Tribohm ist vermutlich der älteste Sakralbau im heutigen Landkreis Nordvorpommern und bietet mit ihren aus Feldsteinen aufgeführten Wänden im wesentlichen ein Bild des ursprünglichen Bauzustands. Der Zeitabschnitt, in dem die Kirche erbaut wurde, ist nicht überliefert-, in einschlägigen Publikationen wird jedoch angenommen, dass der Bau im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts erfolgte.
Zu dieser Zeit gehörte das Gebiet zum Sprengel des 1158 gegründeten Bistums Schwerin, obwohl es als Teil des Fürstentums Rügen politisch unter dänischer Oberhoheit stand.
Nach dem Tode Jaromars, des von den Dänen eingesetzten Fürsten von Rügen, setzte ab 1217 eine allmähliche Einwanderung deutscher Bauern ein (Wehrmann 1904), und im Jahre 1221 kam es zu einem Vertrag zwischen dem Fürsten von Rügen und dem Bischof von Schwerin, in dem die Zahlung des Zehnts, des zehnten Teils der landwirtschaftlichen Erträge, an die Kirche vereinbart wurde (Heyden 1957). Der Bischof von Schwerin konnte nun den Bau von Kirchen östlich der Recknitz in Angriff nehmen. Begünstigend für diese Entwicklung wirkte wahrscheinlich die Beruhigung der politischen Verhältnisse im Ostseeraum, die der Niederlage der Dänen in der Schlacht bei Bornhöved (1227) folgte. Diese Niederlage beendete die seit dem Sturz Heinrich des Löwen (1181) wieder aufgeflammten dänischen Absichten zur Eroberung der südlichen Ostseeküste dauerhaft.
Baugeschichtlich wird die Zeit, in der die Kirche errichtet worden ist, als "Früheste Übergangszeit" vom romanischen zum gotischen Baustil bezeichnet, die für unsere Region von 1200 bis 1280 das Baugeschehen bestimmte(Hasselberg 1881).

Die wesentlichen Merkmale dieser Bauzeit sind für Kirchen, die dem romanischen Baustil zuzuordnen sind, schmale und hohe Fenster, die oben mit einem Rundbogen abschließen und mit schrägen Laibungen in die Wände eingesetzt sind.
Weiterhin fehlen Strebepfeiler oder Kragsteine für eine spätere Ergänzung mit Gewölben, da nur schmale Gebäude errichtet wurden, für die eine Flachdecke genügte. Nur wenig Backsteine fanden Verwendung. Abbildung 1 vermittelt einen Eindruck von dem Gebäude, umrahmt von Bäumen, die den Friedhof begrenzen.

Der Bauplan der Kirche ist sehr einfach (Abbildung 2). Er besteht aus einem Langhaus und einem östlich vorgelagerten schmaleren Teil, der als Chor bezeichnet wird. Der Chor ist vom Langhaus durch einen in der Form eines Spitzbogens ausgeführten Durchgang mit zwei zu den Außenwänden führenden Querwänden getrennt.
Nach einem baugeschichtlichen Gutachten, das im Zusammenhang mit der im Jahre 2001 begonnenen Renovierung der Kirche angefertigt worden ist, deuten einige Merkmale darauf hin, dass das Gebäude unter altmärkischem Einfluss errichtet wurde (Schöfbeck 2002). Der altmärkische, spätromanische Baustil kommt darin zum Ausdruck, dass Gewölbe fehlen, Chor und Langhaus eine Flachdecke haben, und das Langhaus dreiachsig gestaltet ist, d.h. dass drei Fenster einander gegenüberliegen.
Weiterhin ist die Ostwand gerade, also ohne Apsis, aufgeführt. Außerdem weisen einige Balken des Dachstuhls Merkzeichen der Zimmerleute auf, die in der Altmark üblich waren.
Obwohl der Bau auf einem einfachen Konzept beruht, hat der Baumeister, der die Errichtung der Kirche plante, die Aufteilung der Länge des Gebäudes in Langhaus und Chor mit einem auf den ersten Blick nicht erkennbaren Gedanken vorgenommen.
Zu dieser Annahme führen die in nachfolgender Tabelle enthaltenen Außenmaße des Gebäudes (Abb. 2)
| Strecke | Bezeichnung | Wert |
|---|---|---|
| AB | Gesamtlänge | 25,93 m |
| AC | Länge des Chors | 9,34 m |
| BC | Länge des Langhauses | 16,59 m |
| AD | Breite des Chors | 9,38 m |
| BE | Breite des Langhauses | 12,30 m |
| Breite (=Stärke) der Querwand | 1,06 m |
Nimmt man den Schnittpunkt der Längsachse der Kirche mit einer durch die Mitte der Querwand gedachten Geraden als Teilungspunkt (r) an, so ergibt sich eine Aufteilung der Längen nach dem "Goldenen Schnitt", denn es resultieren folgende Längenverhältnisse:
(BC - 0,53) / AB = 0,6194
(AC + 0,53) / BC = 0,6146
Wenn das Verhältnis den Betrag 0,618 ergeben würde, dann läge eine genaue Teilung nach dem Goldenen Schnitt vor. Die Abweichungen von diesem Betrag sind aber so gering, dass es gerechtfertigt erscheint, eine Absicht des Baumeisters anzunehmen.
Die Aufteilung einer Strecke in zwei Abschnitte nach dem Goldenen Schnitt war schon in der Antike bekannt und wurde als "proportio divina", als Göttliche Proportion, bezeichnet. Das Besondere an dieser Proportion besteht darin, dass die Quotienten aus der längeren Teilstrecke zur Gesamtstrecke und aus der kürzeren Teilstrecke zur längeren den gleichen Betrag, nämlich 0,618, ergeben. Die Teilung nach dem Goldenen Schnitt soll auf die pythagoreische Schule zurückzuführen sein, der viele Kenntnisse auf dem Gebiet der Mathematik und der Geometrie zu verdanken sind. Die Gemeinschaft der Pythagoreer, so nennt man die Schüler des Pythagoras, führte als Wahrzeichen ein Pentagramm, ein reqelmäßiges Fünfeck, das mit Hilfe des Goldenen Schnitts zeichnerisch konstruiert werden kann (Wußling 1978).
Rechnerisch ergibt sich nach dem Satz des Pythagoras für ein rechtwinkliges Dreieck aus einer zu teilenden Strecke (a) und der in einem Endpunkt von (a) errichteten - Senkrechten mit der Länge c = 0,5*a die größere Teilstrecke b = 0,618*a.
Setzt man a = 1, so gilt in dem rechtwinkligen Dreieck für die Hypothenuse (h)
h = Wurzel(1+0,25) = 1,118
h minus Länge der Senkrechten = h - 0, 5 = 0,618
1 - 0,618 = 0, 362 = kürzere Teilstrecke
0,382/0,618 = 0,618
0, 618 / ( 0,382 + 0,618) = 0,618
Dass die Teilung nach dem Goldenen Schnitt im Mittelalter bekannt war, kann mit Sicherheit vorausgesetzt werden.
Bei der Planung des Bauwerks verwendete der Baumeister offenbar als Maßeinheit den Magdeburger Fuß mit einer Länge von 0,314 m. Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass er wahrscheinlich als Basis seiner Berechnungen die Länge der Strecke vom Schnittpunkt (T) bis zur westlichen Außenwand des Langhauses festlegte, denn diese Strecke ist 16,06 m lang und entspricht damit fast genau einer ganzen Zahl von 51 Fuß. Die Länge des Chores bis zum Schnittpunkt (T) muss dann, wenn die Proportion des Goldenen Schnitts erreicht werden soll, einen Betrag von 31,5 Fuß = 9,89 m aufweisen und ist damit nur um 2 cm länger als die gemessene Länge. Dieser Wert, vermindert um die halbe Breite der Querwand, ist das Mittel der gemessenen Breite und Länge des Chores und stellt die Seitenlänge des als Quadrat gedachten Chores dar.
Die Verwendung des Magdeburger Fußes unterstreicht den erwähnten altmärkischen Einfluss auf den Bau der Kirche, dessen historisch zu begründender Anlass bisher nicht bekannt ist, vielleicht aber einfach durch den Auftrag des Bischofs an eine altmärkische Bauhütte erklärt werden kann.
Die Breite des Langhauses sollte nach dem Entwurf des Baumeisters diejenige des -Chores übersteigen. Um auch hier nicht willkürlich zu verfahren, betrachtete er die Länge des Chores bis (T) und die halbe Breite des Langhauses als eine Strecke und teilte sie ebenfalls nach dem Goldenen Schnitt. Auf diese Weise ergab sich für die halbe Breite des Langhauses (31,5 /0,618) - 31,5 = 19,5 Fuß = 6,12 m. Dieser Betrag ist nur um 3 cm kleiner als die gemessene halbe Breite, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der mittelalterliche Baumeister in der geschilderten Weise vorgegangen ist und ein Bauwerk errichtete, in dem er die "Göttlichen Proportion" manifestieren wollte.
Hasselberg, E. v.: Baudenkmäler des Reg. Bez. Stralsund. Stettin 1881
Heyden, H.: Kirchengeschichte Pommerns. Köln - Braunsfeld 1957
Wehrmann, M.: Geschichte von Pommern. Gotha 1904
Wußling, H.: in Lexikon der Antike, Leipzig 1978