
Im Zuge der Arbeiten für den Einbau eines neuen Fußbodens im Chorraum der Tribohmer Kirche wurden 2004 bei Abschachtungen für den neuen Unterbau des Fußbodens Mauerwerkstrukturen freigelegt. Die Klärung von Funktion und Alter dieser Befunde erforderten eine Begleitung durch das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg - Vorpommem. Die Dokumentationsarbeiten wurden nach einer Vorbesichtigung am 7. Januar 2005 vom 10.-14. Januar 2005 vom Berichterstatter durchgeführt.
Die bereits freigelegten Mauern wurden geputzt und die Mauerkronen im Maßstab 1:20 gezeichnet - in diese Zeichnung wurden die Umfassungsmauern des Chores und der vorhandene Altarblock einbezogen. Zur Klärung der Bauabfolge der Gruftanlagen erfolgten kleine Sondierungen. Um die Standfestigkeit des neuen Fußbodens zu verbessern wurde abschließend ein etwa 70 cm breiter Streifen an der Südwand von Gruftbefund 4 um 40 cm abgeschachtet.
Für die Informationen zur Geschichte von Kirche und Patronat ist Herrn Hirtel und Herrn Reimer2 (beide Ahrenshagen) zu danken3.

Der mittelalterliche Feldsteinbau ist in drei Hauptphasen errichtet worden. Zunächst entstand der fast quadratische Chor der Kirche, wohl etwas später wurde die sich nördlich anschließende Sakristei aufgeführt. In einer zweiten Bauphase errichtete man das etwas über die Breite des Chores hinausreichende Schiff. Dieser Baukörper war mit dem (vorläufigen) Westabschluß des Chores bereits vorbereitet worden. So wurden die Fundamente der Ostwand des Schiffes in einem Zuge mit den Chorfundamenten ausgeführt. Oberhalb des Geländes belegen stehende Zahnungen an der Ostwand des Langhauses den geplanten Bau des Kirchenschiffes. In einer letzten mittelalterlichen Phase entstand dann der hölzerne Glockenturm westlich des Langhauses.
Der Chor ist vollständig in Feldstein aufgeführt, die Gebäudekanten werden durch sauber zugeschlagene Quader betont. Am Schiff sind die Portale dann bereits in Backstein gemauert, die Fensterlaibungen jedoch noch vollständig in Feldstein.
Die dendrochronologische Untersuchung der Dachkonstruktionen und des Turmes erbrachte absolute Daten für die einzelnen Bauteile4. Demnach ist das Schiff um 1254 oder kurz darauf unter Dach gekommen, der Chor möglicherweise bereits um 1240. Schon 1399 wurde das gesamte Dachwerk nochmals erneuert. Um oder kurz nach 1421 entstand der hölzerne Glockenturm im Westen.
Für die archäologischen Befunde ist die Entwicklung der Besitz- und Patronatsverhältnisse während der Neuzeit in Tribohm von Interesse. 1637 wurde Philipp Christoph von Thun Besitzer von Tribohm. Der Vorbesitzer Huchelt von Raethen auf Raverstorff mußte Tribohm aufgrund von Schuldforderungen seines Vaters Otto von Thun gegen dessen Vater Johannes von Raethen abgeben. 1651 bestätigte man die Eigentumsübertragung von 1637 per Vertrag als erblich, mit Wirkung vom 10. November erhielt Philipp Christoph von Thun das Patronatsrecht durch Königin Christine von Schweden. Die alte Sakristei wurde dem Patronatsherren in dieser Zeit als Familiengrablege überlassen. Den letzten von Thun bestattete man hier 1840. 1661 traten die Brüder Jochim Christof und Heinrich Behr ihren Besitz in Tribohm an Philipp Christoph von Thun ab und 1665 wurde der Kauf lehnsherrlich bestätigt.
1745 ging man an die Instandsetzung der Kirche. Mit erheblicher finanzieller Unterstützung des Patronatsherren ließ man die noch heute vorhandene barocke Ausstattung einbauen. Im Chorraum entstanden zwei Patronatslogen, ein neuer Altar und die Kanzel. Bis in das 19. Jahrhundert blieb das Patronat bei den von Thun und ging durch Heirat erst 1853 an die Grafen von Stolberg-Wernigerode über.
1910 wurde der Fußboden der Kirche erneuert und die heute vorhandenen Fliesen verlegt. In diesem Zusammenhang nahm man die im Chor befindlichen Grabplatten auf und stellte sie vor der Sakristei auf. In den 1950iger Jahren wurden sie dann im Fußboden der Sakristei neu verlegt. Heute sind hier fünf Grabplatten des 17. und 18. Jahrhunderts vorhanden. Die älteste Grabplatte ist vermutlich der Familie von Rethen zuzuordnen, drei Grabplatten gehören zu Bestattungen der Familie von Thun (gestorben 1725, 1728 und 1743), die jüngste Platte zur Grabanlage des 1792 verstorbenen Pfarrers Scheiner.

Der Begriff Gruft für kellerartige gemauerte Grabkammern in Kirchen ist zum einen von Graben, Vertiefung oder Höhle und zum anderen von lateinischen crypta für Grotte, Gewölbe oder abgedecktem Gang abzuleiten. Vor allem vom 16. bis ins 18. Jahrhundert war die Bestattung in gemauerten Grabkammern oder in Seitenkapellen hinter aufwendig gestalteten Schauwänden die übliche Bestattungsform für die städtische Oberschicht.
In den freigelegten Mauerwerksresten innerhalb des Tribohmer Chorraumes konnten die Mauerkronen von insgesamt vier Gruftanlagen erkannt werden. Ein etwa ein Meter breiter Streifen an der Chomordwand war nicht abgegraben bzw. bereits mit Sand aufgefüllt worden, um ein Gerüst für die laufenden restauratorischen Arbeiten aufstellen zu können. In diesem Bereich sind jedoch keine weiteren Gruftanlagen zu vermuten. Die Mauerkronen der vier Anlagen endeten - soweit nicht in älterer Zeit tieferreichend abgebrochen - etwa 30 bis 40 cm unter dem letzten vorhandenen Ziegelfußboden. Dies läßt vermuten, daß nach Aufgabe der letzten Gruftanlagen höchstens zwei Ziegellagen abgetragen wurden.
Die relative Bauabfolge der vier gemauerten Kammern konnte weitgehend geklärt werden.
Zunächst entstand die Gruftanlage 1 auf der Nordseite des Chores mit Innenmaßen von 1,3 x 2,25 m. Ihre Wände bestanden aus einem in Lehm gesetzten Mischmauerwerk aus Feldstein und Ziegel. Die Oberflächen der Innenseiten besaßen einen dicken Verputz aus lehmhaltigem Kalkmörtel und eine weiße Austünchung. Auffallend war die stärkere Verwendung von Feldsteinen an den beiden Schmalseiten - im Gegensatz zur erhaltenen nördlichen Langseite, die weitgehend aus Ziegelsteinen bestand.
Ältere anhaftende Kalkmörtelreste an den freiliegenden Ziegelsteinen belegen, daß diese Ziegel zumeist in Wiederverwendung vermauert wurden. An der erhaltenen Langseite waren drei etwa 1/2 Stein breite Aussparungen erkennbar. Hier dürften Holzbalken als Auflager für Kalksteinplatten gelegen haben, mit denen die Gruft abgedeckt war.

Als zweite Anlage wurde die Gruft 2 auf der Südseite des Chores errichtet. Sie besaß eine Breite von 1,2 m, die Länge dürfte bei 2,2 - 2,3 m gelegen haben, kann aber nur geschätzt werden, da ihr östlicher Teil bei der Errichtung der jüngsten Gruft abgetragen wurde. Ungestört blieb nur der westliche Teil der Südwand dieser Anlage erhalten. Die Wand wurde aus Mischmauerwerk (Feldstein und Ziegel) errichtet, die orangeroten Ziegelsteine (Maße - 7,4 / 27,4 / 14,4) waren in Erstverwendung vermauert. Das Mauerwerk war in Lehm gesetzt und mit Kalkmörtel verfugt. Im Zusammenhang mit dem Bau der nördlich benachbarten Gruft 3 wurde die Nordwand von Gruft 2 erneuert, im Zusammenhang mit dem Bau von Gruft 4 ist die östliche Hälfte der Gruft beseitigt und vermutlich auch die 1/2Stein breite Westwand abgetragen worden. Diese Wand konnte durch freigelegte Wandansätze in kleinen Sondierungsschnitten nachgewiesen werden.
Da die Gruftanlagen 1 und 2 nicht aneinandergrenzen - und somit kein direkter stratigraphischer Bezug hergestellt werden kann - gibt es keinen eindeutigen Beleg für das höhere Alter von Anlage 1. Diese Vermutung wird allein aus der altertümlicher wirkenden Mauertechnik von Gruft 1 und dem Umstand geschlossen, daß mit dem Bau der Gruft 3 die Anlage 1 aufgegeben wurde, die Gruft 2 jedoch erhalten blieb.Die schmale Gruftanlage 3 liegt in der Mittelachse des Chores, ist etwa 0,9 m breit und 1,34 m lang und wurde zwischen die bereits vorhandenen Anlagen 1 und 2 eingepaßt. Das Mauerwerk ist - soweit sichtbar - vollständig aus Ziegel errichtet worden (Maße 8,1 / 28,4 / 14,5). Die Steine waren in Lehm gesetzt und mit Kalkmörtel verfugt. Allein die oberste Backsteinlage lag vollständig in Kalkmörtel. Die Langseiten der Gruft waren V2Stein breit, wobei an der nur teilweise erhaltenen Nordwand vermutlich pfeilerartig verstärkte, ein Stein breite Mauerwerksbereiche existierten. Gleichartig war auch die in der Mauerkrone ein Stein breite westliche Schmalseite aufgemauert. Unter der obersten Lage besaßen nur zwei ein Stein breite Pfeiler die volle Wandstärke, die restlichen Wandbereiche waren nur % Stein dick. So konnte Ziegelmaterial eingespart werden, ohne die Stabilität der Mauern zu beeinträchtigen. Zahlreiche Ziegel waren durch einen auf der abgestrichenen Breitseite liegenden längsparallelen randlichen Abdruck gekennzeichnet. Der Abdruck entstand vor dem Brennen des Ziegels - vermutlich stammt er vom Stapeln der Rohlinge oder ihrem Transport mit einem zangenartigen Werkzeug. An der erhaltenen südlichen Langseite blieb eine 1/2 Stein breite Aussparung erkennbar. Wie bereits an Gruft 1 beobachtet dürfte hier ein Holzbalken als zusätzliches Auflager für die abdeckende Grabplatte gelegen haben.

Für den Bau der Gruft wurde die Nordwand der ältesten Gruft 1 beseitigt und diese Anlage vermutlich aufgegeben und verfüllt. Da der Platz zwischen den Gruftanlagen 1 und 2 sehr schmal war, kam es auch an der südlich benachbarten Gruft 2 zu Veränderungen, denn die Grenzwand zur neuen Gruft 3 - ursprünglich vermutlich 1 Stein breit wurde in verschmälerter Form von 1/2 Stein Breite neu aufgemauert. Die Gruft 2 wurde im Gegensatz zu Gruft 1 jedoch nicht aufgegeben, sondern nach der Erneuerung ihrer Nordwand neu ausgetüncht - also weiterhin genutzt.

Die vierte und größte Gruftanlage an der Südwand des Chores ist fast quadratisch und besitzt Innenmaße von 2,4 m Ostwest und 3,1 m Nordsüd. Bis auf den Grenzbereich zur Gruft 3 sind die Mauerkronen einen Stein stark. An der Westwand war jedoch sichtbar, daß zumindest ihr nördlicher Teil in einer ziegelsparenden Bauweise, wie an Gruft 3 beobachtet, errichtet wurde. Das Ziegelmatehal wurde - soweit erkennbar vollständig in Kalkmörtel gesetzt. Nur im Bereich des Sparmauerwerkes war Lehm als Setzmörtel zu beobachten. In diesem Bereich wurden auch Steine wiederverwendet, die vermutlich aus der älteren zuvor teilweise abgebrochenen Gruft 2 stammten - erkennbar an einzelnen Steinen, deren getünchte Oberflächen im Mauerkern sichtbar waren. Die anderen neuen' Steine waren durchschnittlich 7,7 cm hoch, 13,85 cm breit und 27,7 cm lang.
Die Südwand der Gruft reichte etwa 0,45 m in das Fundament der Chorsüdwand und wurde mit einem ein Stein hohen Segmentbogen überwölbt. Ursache dieser Maßnahme war vermutlich die Notwendigkeit, das unterhalb des Geländes nicht vermörtelte Chorfundament aus geschichteten unüberarbeiteten Feldsteinen durch Aufmauerung einer neuen Ziegeischale zu sichern und nach oben mit einem Bogen abzufangen. Außerdem konnte so eine ebene Wandoberfläche hergestellt und zusätzlicher Platz in der Gruft gewonnen werden. Offensichtlich konnte die große Gruftanlage nicht weiter in die Chormitte verschoben werden und mußte den Bestand der nördlich anschließenden Gruft 3 respektieren.
Während die älteren drei Gruftanlagen vermutlich für maximal jeweils zwei Särge (übereinander) konzipiert waren, konnten in Gruft 4 mindestens 6 Erwachsene beigesetzt werden.

Die Gruftanlagen 1 und 2 sind bereits in älterer Zeit aufgegeben worden. Gruft 1 wurde bereits für den Bau der südlich benachbarten Gruft verfüllt, Grabanlage 2 für den Bau der vierten Grabkammer. Offen bleibt, ob in diesem Zusammenhang die Grabkammern geräumt und die Bestatteten umgebettet wurden. Zumindest Gruft 2 scheint planmäßig geräumt worden zu sein, im Sondierungsschnitt wurden keine Sargreste oder Knochen beobachtet, in Gruftanlage 1 fanden sich wenige Zinnfragmente, die von der Sargzier stammten5. Menschliche Skelettreste und mehrere Fragmente von Zinnbeschlägen und eisernen Griffen, die einem barocken Sarg zuzuordnen sind, waren bereits während der durch die Gemeinde durchgeführten Abschachtungsarbeiten als Streufunde aufgetreten6.
Die Gruftanlagen 3 und 4 sind vermutlich erst 1910 mit dem Einbau des neuen Fußbodens verfüllt worden. In Gruft 3 waren unter einer nach dem Flächenabtrag noch 20 cm mächtigen Sandauffüllung Holzreste und Teile von Sargbeschlägen sichtbar. Dies ist ein Indiz dafür, daß diese Gruft vor der Aufgabe nicht geräumt wurde.
Die Abtiefung des südlichsten Streifens der Gruft 4 um etwa 40 cm erbrachte einige Fensterglasfragmente und deren Bleieinfassungen, jedoch keine datierenden Funde. Auffallend waren die zahlreichen größeren Feldsteine in der Verfüllung. Vermutlich sind darunter noch Bestattungen erhalten. Denkbar ist, daß die Feldsteine von der kleinen Vorhalle auf der Südseite des Chores stammen. Diese wurde im 17. oder 18. Jahrhundert für die Patronatsherren vor dem mittelalterlichen Chorportal errichtet und erst im 20. Jahrhundert abgebrochen.
Alle vier Gruftanlagen können zunächst allgemein in nachreformatorische Zeit datiert werden. Dafür spricht die Verwendung von Lehmmörtel, der in mittelalterlichen Mauerwerken in der Regel nur in Fachwerkausmauerungen verwendet wurde oder dann, wenn Mauerwerke mit Hitze in Berührung kamen (z. B. in Heizanlagen). Auch das an zwei Gruftanlagen verwendete Mischmauerwerk aus Feldstein und Ziegel ist zwar nicht auf die Neuzeit beschränkt, jedoch für das 16. bis 18. Jahrhundert besonders typisch. Die Höhen der verwendeten Ziegel liegen zumeist unter 8 cm, also unterhalb des üblichen mittelalterlichen Backsteinformats.
Nur die Ziegel der Gruftkammer 3 weisen ein höheres Format auf. Ihnen fehlen jedoch die für mittelalterliches Material typischen Quetschfalten vom Einpressen des Lehms in die Form.
Die älteste Grabkammer 1 kann nur sehr allgemein in die Zeit zwischen dem 16. und dem frühen 18. Jahrhundert datiert werden. Das sichtbar gewordene Ziegelmaterial ist, da wiederverwendet, nicht für eine genauere Datierung geeignet. Die Anlagen 2 und 4 sind aus ähnlichem, wenn auch maßlich unterscheidbarem Ziegelmatehal mit Höhen zwischen 7,4 und 7,7 cm entstanden. Da sich die Ziegelformate im Laufe der Neuzeit verkleinern und in der Mitte und zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bereits Formate unter 7 cm Höhe üblich sind, ist dies als terminus ante quem für die Errichtung der Gruftanlagen zu werten. Die verwendeten Ziegelformate sind vor Ort am ehesten mit der Ausmauerung des Fachwerkgiebels über der ehemaligen Sakristei zu vergleichen. Diese Baumaßnahme ist bisher in den schriftlichen Quellen nicht faßbar, dürfte aber in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts zu datieren sein. Einen Hinweis darauf gibt das Andreaskreuz in der Giebelspitze. Allein auf Grundlage des verwendeten Ziegelmatehals wäre die Anlage 3 früher als die Gruftkammern 2 und 4 zu datieren - nach den Befunden zur Bauabfolge ist sie zeitlich jedoch eindeutig zwischen beide Grabkammern zu stellen.
So sind die drei jüngeren Gruftkammern vermutlich im Verlauf der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Die jüngste und größte der Gruftanlagen ist dabei spätestens während der barocken Neuausstattung 1745 eingebaut und in diesem Zusammenhang mit dem Patronatsgestühl derer von Thun überbaut worden.
Mindestens die jüngste und größte Gruftanlage im Chor ist sicher der Patronatsfamilie von Thun zuzuordnen. Sie ist in ihrer Fläche mit den größten Grablegen städtischer Pfarrkirchen vergleichbar. So kann sie z. B. im Vergleich mit den 2003 ergrabenen 26 Gruftanlagen der Rostocker Jakobikirche in die Gruppe der größten Anlagen eingeordnet werden. Dies spricht für die herausragende Stellung jener Familie, die Eigentümerin der Gruft in Tribohm war und deutet damit auf die Familie von Thun als Inhaberin des Patronats.

Neben der ehemaligen Sakristei, die bereits seit dem 17. Jahrhundert als Thunsches Erbbegräbnis gedient hatte, wurde nun auch der Chorraum der Dorfkirche zur monumentalen Grabkapelle der Familie. Dieser Bezug zwischen Kirche und Patronatsfamilie wird auch an den 1745 gestifteten Prinzipalstücken Altar und Kanzel sowie an den beiden Patronatsgestühlen sichtbar.
Auch die drei kleineren und etwas älteren Grabanlagen sind vermutlich bereits der Familie von Thun zuzuordnen. Die fünf heute in der Sakristei liegenden Grabplatten stammen überwiegend aus dem Chor und dürften zumindest einige der langrechteckigen Gruftanlagen bedeckt haben. Überliefert ist, daß u.a. Sophia von Thun vor dem Altar der Kirche bestattet wurde. Die erhaltenen Grabplatten besitzen offensichtlich noch ihre ursprüngliche Größe, sind jedoch sämtlich zu kurz, um eine der Grüfte vollständig abzudecken. Somit müßten wenigstens jeweils zwei der vorhandenen Platten über den Grüften gelegen haben. Leider ist nicht überliefert, wo genau die Platten lagen, ehe sie 1910 aus der Kirche entfernt wurden. Denkbar ist z. B., daß die Grabplatte der Sophia Agnesa von Thun (gest. 1728) und die Platte ihres Ehemannes Otto Diederich von Thun (gest. 1743) über der Gruftanlage 3 lagen.
Durch die ursprünglich vorhandenen hölzernen Unterzüge über den Grüften ist jedoch auch denkbar, daß die Platten Nord-Süd orientiert lagen - z. B. über dem Bereich der Gruft 4, der nicht durch das Patronatsgestühl überbaut war. Da bisher keine schriftliche Überlieferung zur genauen Lage der Grabplatten vor der Entfernung aus dem Chor bekannt ist, bleibt eine sichere Zuweisung der Grabkammern spekulativ.
Direkt westlich des heutigen Altarblockes liegt eine auffällige Feldsteinreihe. Da das Mauerwerk von Gruft 4 bereits gegen diese Feldsteinzeile gesetzt wurde, ist sie spätestens in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden und möglicherweise als Fundamentrest eines mittelalterlichen Altarblockes zu interpretieren. Nach den sichtbaren Ziegeln stammt der heute vorhandene Altarblock aus dem 18. Jahrhundert, ist zumindest jedoch mit dem Bau des heutigen Altaraufsatzes 1745 repariert oder verändert worden.
Die weiteren einzeln liegenden großen Feldsteine nordwestlich des Altarblockes und westlich von Gruft 3 sind funktional nicht zuzuweisen, vermutlich aber während der Baumaßnahmen des 18. Jahrhunderts umgelagert und im Chorraum belassen worden. Hinweise auf weitere Erdbestattungen im Chorraum, die sich z. B. in den Umrissen von Grabgruben manifestieren, wurden nicht angetroffen. Die Oberlagerung unterschiedlicher Schichten, wie sie durch Baumaßnahmen oder durch die Nutzung eines Gebäudes allgemein entstanden, fehlen im Chorraum weitgehend.
Dies ist die typische Befundlage in Kirchengebäuden. Durch die über Jahrhunderte erfolgten Bestattungen und den Einbau von Gruftanlagen ist das Erdmatehal immer wieder umgelagert und durchmischt worden und ließ so keine aussagefähige Stratigraphie entstehen. Erkennbar war in Tribohm neben der homogen durchmischten Graberde allein die über dieser Erde liegende Sandbettung für den vorhandenen nach 1900 verlegten Ziegelfußboden.
In der im mittleren 13. Jahrhundert entstandenen Tribohmer Kirche konnten vier bisher unbekannte Gruftanlagen dokumentiert werden. Drei Grabkammern sind in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zu datieren, die vierte ist möglicherweise einige Jahrzehnte älter. Alle Grüfte sind vermutlich für die Familie von Thun gebaut worden, die das Kirchenpatronat seit der Mitte des 17. Jahrhunderts innehatte. Zumindest die jüngste der Tribohmer Grabkammern kann in ihrer Größe den aufwändigsten Gruftanlagen der städtischen Oberschicht an die Seite gestellt werden.