
Dass der Tribohmer Kirchturm große Schäden auswies, ist kein Geheimnis. Aber erst bei der Teildemontage stellte sich heraus, wie schlimm es eigentlich um den Turm stand.
Wir geben hier für Interessenten den den Baubericht des zuständigen Bauleiters und Restaurateurs Elmar Bodet wieder. Da sein Bericht sehr viele Bilder enthält, die, wenn sie in ansprechender Grösse gezeigt werden, riesigen Ladezeiten der Seite bewirkten, bieten wir auf dieser Seite ausnahmsweise mal Daumennägel (zu neudeutsch also Thumbnails).
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Bildunterschrift zum Bild links:
Die geöffnete Turmspitze mit den Sparrenenden um den Kaiserstiel.
Sachbericht zur Turmsanierung der Kirche in 18320 Tribohm 2003
Zweck der Baumaßnahme war, im ersten Bauabschnitt den oberen Teil des hölzernen Kirchturmes instandzusetzen. Schnittebene war dafür die Rähmlage des Turmschaftes. Bearbeitet wurden die darüber liegende Glockenstube und das Turmdach, die beide mit einer Eichenholz-Schindeldeckung gedeckt waren und wurden. Das Tragwerk des Turmes wies unübersehbar schwere Holzschäden auf. Die Alternative des vollstärdigen Ab- und Wiederaufbaus des gesamten Turmes wurde von den denkmalrechtlich zuständigen Behörden abgelehnt. Es ergab sich aus Gründen der Finanzierung eine voraussichtliche Zweiteilung der Gesamtinstandsetzung. Im ersten Bauabschnitt wurden die Holzschäden im oberen Teil der Konstruktion behoben und eine sichere Dacheindeckung geschaffen. Damit ist von vornherein gewährleistet, daß alle gemachten Reparaturen nicht durch Witterungseinflüsse wieder angegriffen werden können.
Zudem warf die durch Holzschäden entstandene Verwindung und ungleichmäßige Setzung des Turmes Probleme auf. Da die Verformungen durch Reparaturhölzer teilweise nicht nachformbar waren, wurde im Bauablauf die Entscheidung getroffen, den Turm insgesamt wieder in der Form herzustellen, die er beim Bau hatte. Hilfskonstruktionen zur Sicherung einer Verformung, die allein durch mangelhaften Bauunterhalt entstanden war, konnten so vermieden werden. Die Arbeiten wurden zudem erleichtert.
So wurde über den Rähmen des Bestandes, die schwerste Holzschäden aufweisen, ein neuer waagerechter Rähmkranz eingefügt, mit der Absicht, die gesamte Konstruktion des Turmschaftes im kommenden Bauabschnitt danach auszurichten. Die Position in den horizontalen Richtungen wurde aus den Schwellenlagen des Turmschaftes rekonstruiert. Der Schaft hatte ursprünglich die Form eines Pyramidenstumpfes mit einer gleichmäßigen Neigung von 86°. Ein weiteres Problem war dadurch entstanden, daß der Westgiebel der anschließenden Kirche sich nach der Erbauung deutlich nach Westen schräg gestellt hat. Die Einrichtung der Rähme der Glockenstube machte eine Änderung dahingehend erforderlich, daß die Ostwand der Glockenstube ein wenig weiter nach Westen gesetzt werden mußte, um die berührungsfreie Dachdeckung zur Kirche hin zu ermöglichen. Außer dieser Verschiebung von wenigen Dezimetern wurden die Dimensionen von Glockenstube und Dach genau wieder hergestellt. Die Verschiebung der Ostwand erforderte die Umsetzung der Glockenstühle, die bei dieser Gelegenheit gerade ausgerichtet mittig in die Glockenstube gerückt wurden.
Die gesamte bearbeitete Konstruktion ruhte während der Bauarbeiten und ruht bis zum Anschluß des Turmschaftes von unten vollständig auf einem Traggerüst, von dem sechs Stahlträger das Gebäude durchdringen. Dieses Traggerüst wurde gekauft, da nicht sicher abzusehen war, wann die Sanierung fortgesetzt wird und laufende Mietkosten nicht anfallen, deren Finanzierung unklar wäre.
Im Einzelnen wurden folgende Arbeiten ausgeführt:
Erd- und Betonarbeiten
Zur Freimachung der Baueinrichtungsfläche wurden acht gußeiserne Grabkreuze ausgegraben und zusammen mit zwei marmornen Kreuzen umgelagert.
Hauptarbeit war die Schaffung von Fundamenten für das Traggerüst auf der Nord- und Südseite des Turmes. Diese wurden in sieben Abschnitten gegraben und aus Stampfbeton hergestellt.
Mit dem Aushub wurde auf dem unebenen Gelände vorübergehend eine ebene Fläche zum Abbau des herabgehobenen Turmdaches geschaffen.
Gerüstarbeiten
Zuerst wurde ein Innengerüst im Turm errichtet, das dem Abbau des Uhrgehäuses, dem Aufbau des Traggerüstes und als Arbeitsfläche während der Bauarbeiten diente.
Nach Angaben der Statik wurde das Traggerüst aus acht Türmen und Stahlträgern aufgebaut und durch Anschluß an den Kirchengiebel sowie Ausschwertungen ausgesteift. Unterhalb der Glockenstubentraufe wurden Konsolen angebaut, um in diesem Bereich Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Die Hauptträger des Traggerüstes wurden zentimetergenau waagerecht in einer Ebene durch die Konstruktion geführt. Dabei waren nur geringfügige Eingriffe in die Holzkonstruktion nötig und unumgänglich. Untergeordnete, verschiebliche Träger wurden für das Zimmerergewerk bereitgestellt.
Zudem wurden zuerst die Glockenstube und später das Dach sowohl zur Demontage am Boden, als auch beim Aufbau am Gebäude eingerüstet.
Während einer Phase der Bauzeit wurde ein provisorisches Foliendach über der Glockenstube errichtet, um das Eindringen von Niederschlägen zu verhindern. Aus der Baueinrichtung entfiel die Stellung des Bauzauns auf das Gerüstbauergewerk.
Zimmerarbeiten Von den Zimmerleuten wurde das Uhrgehäuse demontiert und zusammen mit dem abgenommenen Zifferblatt und dem Rest des Uhrwerks auf der Orgelempore in der Kirche gelagert. Zur Öffnung der Konstruktion für das Traggerüst wurde auf der Nord-, West- und Südseite die Schalung des Turms aufgesägt und im oberen Bereich entfernt.
Da die schwerwiegendsten Schäden in der Balkenlage des Glockenstubenbodens bestanden, war von vornherein eine Demontage des Daches und der Giockenstube vorgesehen. Dazu wurde das Dach in einem Stück gelöst und mittels Autokran auf den Boden gesetzt. Dort wurde es demontiert. Dann wurde die Glockenstube zerlegt und ihre Deckenbalkentage und die Wände zu Boden geschafft.
Um an den Balken des Glockenstubenbodens arbeiten zu können, wurden die Glockenstühle angehoben und auf dem Traggerüst abgefangen. Zunächst wurden die wenigen Schäden an den Glockenstühlen selbst repariert, dann wurde die Balkenlage des Glockenstubenbodens zum größten Teil erneuert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die neuen Rähme abgezimmert und gleichfalls in der endgültig richtigen Position auf dem Traggerüst unterfangen.
Am Boden wurden die Wände und die Deckenbalkenlage der Glockenstube repariert, bzw. erneuert. Bevor diese Bauteile wieder gerichtet wurden, wurden die Glockenstühle gerade auf der Konstruktion ausgerichtet und mittig gestellt. Die Konstruktion der Glockenstube wurde vervollständigt und erneut mit Schalbrettern umhüllt. Auf dieser Basis wurde dann das Dach wieder neu gerichtet und ebenfalls geschalt.
Es wurde die Unterkonstruktion der Dachrinne zum Westgiebel der Kirche gefertigt und der für die Tragkonstruktion geöffnete Traufbereich provisorisch geschlossen.
Durch das Zimmerergewerk wurden die Tagesunterkunft und die Chemotoilette zur Baueinrichtung gestellt.
Dachdeckungs- und Klempnerarbeiten
Die geschalten Flächen wurden mit einer dampfdiffusionsoffenen Folie als Unterdach gedeckt. Die Schindeldeckung wurde auf Lattung über Konterlattung aufgenagelt. Nachdem Vorläufer der letzten Stutzeck-Schindeldeckung in Form von halbrunden Schindeln gefunden wurden, wurde die Deckung schließlich mit solchem gespaltenem Material zweilagig hergestellt.
Neben der Dachrinne mit Fallrohr wurden Lüftungsbleche an den Traufen, Lüfter unter der Schindeldeckung und der Anschluß an die Bekrönung, in Kupferblech ausgeführt.
Blitzschutzanlaqe
Eine Blitzschutzanlage für den Turm mit zwei Ableitungen wurde neu montiert.
Bekrönung
Die stark beschädigte Bekrönung aus Kugel und Kreuz wurde repariert, gegen Korrosion geschützt und vergoldet.
Elektroarbeiten
Die Läuteanlage für die Glocken wurde im Baubereich demontiert. Ein Baustromverteilerkasten wurde angeschlossen und für die Bauzeit bereitgestellt.
Garvekammer
Parallel wurde das Dach der Garvekammer von den gleichen Auftragnehmern unter anderer Finanzierung instandgesetzt und neu mit den gleichen Dachpfannen gedeckt, die 2001 auf die restlichen Dächer der Kirche gedeckt worden waren.
Bauschild | Fertiger Zustand 15.12.2003 | Streifenfundament Nordseite von oben | Streifenfundamen Südseite In den Löchern wurden die Bodenträger des Gerüstes verankert | Zifferblatt |
Traufenzone auf der Südseite, Schalung für das Traggerüst geöffnet | Stutzeck-Schindeldeckung des Bestandes | Einbau eines Haupträgers. Verspannung des Gerüstes mit dem Westgiebel der Kirche | Hauptträger auf der Westseite | Da der lasttragende Unterzug für den Hauptträger ausgeschnitten werden mußte, wurde der für den Durchlaß einer Glocke von 1650 ausgesägte Tragbalken vorübergehend unterfangen. |
Das an einer Hilfskonstruktion angehängte Turmdach wurde in einem Stück auf den Boden abgesetzt | Die Turmspitze mit Bekrönung | Die geöffnete Turmspitze mit den Sparrenenden um den Kaiserstiel | Das angesetzte obere Ende des Kaiserstiels mit der stark beschädigten Bekrönung. Die Konstruktion der Einspannung der Lanze wurde wieder aufgegriffen. | Rest des Kaiserstiels mit Strebenkonstruktion |
Die Sparren nach der Zerlegung. Gut erkennbar die Marken, mit denen alle Hölzer vor dem Zerlegen gekennzeichnet wurden. | Vermutlich 1873 wurde eine Reparatur duchgeführt, bei der die Balkenlage der Glockenstubendecke repariert wurde. Die neuen Hölzer wurden stumpf eingeführt und die Verbindungen mit schmiedeeisernen Bändern hergestellt. Hier eine Ständer/Stichbalken-Verbindung auf der Ostseite. | Ansicht der Glockenstubendecke von Nordost. Die Rähme wurden fast alle 1873 erneuert. Ebenso der westliche Hauptbalken und der mittlere östliche Stichbalken. Auch die Überzüge gehörten nicht zum älteren Abbund. | Schwalbenschwänze der ursprünglichen Rähm/ Balken-Verbindungen. | Unterseite der Rähm-Eck-Verbindung. |
Oberseite des gleichen Rähmabschnittes. | Transport einer Glockenstubenwand, hier Ostseite. | Abbund der Wandelemente. | Vorbereitung zum Richten der fertig reparierten Wand. | Balkenlage des Glockenstubenbodens, Westseite |
Reparaturen am großen Glockenstuhl. | Der neu positionierte Glockenstuhl mit dem beigelaschten Jochbalken des Glockenstuhls von 1650. | Balkenreparatur in der Nordwestecke. | Notbedachung des Gebäudes. | Abfangung von Rähm und Balkenlage auf dem Traggerüst, darunter das alte Rähm. |
Details der Reparaturverbindungen: Blattverbindung Strebe/ Ständer ... | Erneuerter Zapfen, alte und neue Holznägel ... | Ständeranschuhung. | Erneuerter Rähmkranz der Glockenstube in Anlehnung an die ursprüngliche Konstruktion. Detail ... | Südostecke. |
Vorbereitung des Richtens. Die Verfugung des Giebels wurde bei der Gelegenheit repariert. | Der neue Kaiserstiel mit den Streben. Vergleiche Bild oben dritte Reihe. | Die reparierte und vergoldete Bekrönung. | Dachspitze mit Kaiserstiel und alten und neuen Sparrenenden. | Schalung mit Edelstahl-Schraubenbefestigung. |
Unterkonstruktion für die Dachrinne zwischen Kirche und Turm. | Dach-Innenansichten: Obere Kehlbalkenlage ... | Untere Kehlbalkenlage. | Foliendeckung, Lattenkonstruktion und Schindeldeckung. | Dachgerüst. |
Detail Traufenbelüftung. | Dachspitze, noch ohne Anschluß an die Bekrönung. | Auf der Südostecke wurden an der Glockenstube einige der alten, vorletzten Schindeln der Deckung eingesetzt. | Fertige Dachspitze. | Detail Gaupe Westseite. |
Raum zwischen Glockenstube und Westgiebel der Kirche. | Nordende der Dachrinne. | Südende der Dachrinne mit Fallrohr. | Gesamtansichten 15.12.2003: Von Norden | ... von Süden. |