
Der Turm steht unmittelbar vor dem Westgiebei des Kirchenschiffes der Feldsteinkirche. Im Turm waren in früheren Jahrhunderten drei große eichene und eine kleine kieferne Stützkonstruktionen wohl in der Absicht eingebaut worden, die nach Westen schräggeneigte Giebelmauer zu stützen. Die beiden älteren, eichenen Konstruktionen waren statisch unwirksam, d. h., die Giebelmauer stützte sich tatsächlich nicht gegen sie, sondern steht frei. Die in der Nordostecke des Turmes eingebaute, jüngere, kieferne Stützkonstruktion übertrug allerdings tatsächlich Druck aus Teilen der zweischaligen Mauer, deren äußere Schale sich gelöst hatte und im Umfang von einigen Quadratmetern in den Turm und gegen die nördliche Turmwand zu stürzen drohte. Es bestand eine Ziegelausmauerung, wo einzelne Feldsteine bereits aus der Mauer herausgefallen waren. (Foto 01). Durch die Vorwölbung der Mauer hatten sich teils breite Risse gebildet (Foto 02). Im Zuge der Turmschaftsanierung waren diese Mauerwerksschäden zu beheben. Dazu wurden die losen Mauerwerksteile in senkrechten Abschnitten herausgenommen (Foto 03) und bei gleichzeitiger Vernadelung mit dem Hintermauerwerk wieder neu eingemauert (Fotos 04, 05). Der zuerst fälschlich verwendete, zementhaltige Mauermörtel wurde ersetzt). Die beim Mauern nicht ausgemörtelten, weitverzweigten Hohlräume im Mauerwerk wurden unter schwachem Druck nur so weiträumig verpresst, bis eine statisch ausreichende Verbindung zwischen innerer und äußerer Mauerwerksschale wiederhergestellt war, und das Mauerwerk neu verfugt (Foto 06).
Nach der Freilegung der vorhandenen Findlingsfundamente/-sockel stellte sich heraus, dass diese teilweise durch frühere Reparaturmaßnahmen an den Schwellen nicht mehr ganz unter den Hölzern eingebaut worden waren und ihre Oberflächen Höhendifferenzen von bis zu 20 cm aufwiesen (Foto 07). Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die Auflageflächen für die erneuerten Schwellen auszugleichen, was auf Empfehlung des Statikers nicht nur durch tieferes Eingraben der zu hoch liegenden Findlinge geschah, sondern durch Unterbau eines frostsicher gegründeten Betonfundaments. Es hatte sich nämlich ebenfalls herausgestellt, dass die Findlinge, wie vermutet, bei der Erbauung des Turmes tatsächlich nur auf dem Erdboden aufgelegt worden waren. Die Findlinge wurden also angehoben und auf einem ausbetonierten Streifenfundament wieder aufgesetzt, fast immer an den Stellen, wo sie sich zuvor befunden hatten (Fotos 08, 09). Zwischen die neuen Schwellen und die Findlingsfundamente wurde als Ausgleich eine Klinkerrollschicht eingemauert (Foto 10. Die Schwellen wurden unterseitig gegen aufsteigende Feuchtigkeit gesperrt.) Damit wurden die neuen, im Vergleich zu den alten dünneren Schwellen wirkungsvoll vollflächig unterfangen und aus dem Spritzwasserbereich enthoben. Der Austausch der Schwellen in einem künftigen Schadensfall ist bei stehendem Gebäude damit beträchtlich erleichtert.
bestanden in der Sicherung tief ausgewitterter Risse der an den Westgiebel anschließenden Kirchenschiffmauern auf Süd- und Nordseite (Foto 11) und der Verlegung eines Traufpflasters (Material aus dem Eigentum der Kirchgemeinde Ahrenshagen) um den Turm nach Auffüllung des Geländes mit dem Aushub der Fundamentgräben. Im Turminneren wurde, größtenteils mit den vorgefundenen Resten des vorhandenen, ein grobes Feldsteinpflaster neu verlegt (Foto 44). Früher betonierte Reparaturstellen wurden ausgebaut. Die zur Schaffung der Baueinrichtungsfläche zu Beginn des ersten Bauabschnittes im Jahr 2003 aufgegrabenen Grabkreuze wurden wieder eingebaut (Titelfoto) und der Torpfeiler, der damals zur Schaffung einer Durchfahrt für die erforderlichen Mobilkrane abgetragen worden war, wurde rekonstruiert (Foto 12, rechts, noch ohne Verfugung).
Nach der Abnahme der Schalung zeigten sich verschiedene Schadensbilder. In der Nordwestecke war beispielsweise die Schwelle rott und nur mittels eines langen Bandstahls mit der Westseitenschwelle verbunden, das untere Ende des Eckständers war unter großem Substanzverlust biotisch geschädigt (Foto 13. Der Südost-Eckständerfuß war mit einem früheren Reparaturstück versehen, die Anbindung zu der Schwertstrebe bestand nur aus einem langen Bandstahl (Foto 14). Darunter war dasjüngere Schwellenstück stark durch Pilzschaden geschädigt (Foto 15).
Die Schwelle am Südende der Westseite (Türbereich) war ebenfalls nur noch in Resten vorhanden und mit der Südseitenschwelle unverbunden (Foto 16). Einen Eindruck vom allgemeinen Zustand des Schafttragwerkes gibt der Bereich der Südwand auf mittlerer Höhe; lose Verbindungen, teils biotisch geschädigte Hölzer und Umbaumaßnahmen späterer Zeiten, bei denen der Abbund der Ostwand, der fast genau dem der Westwand entsprechen hatte (erkennbar an den leeren Blattsassen), zu einem fragilen, nicht tragfähigen Hängewerk umgebaut worden war (Foto 17). Die Schalung selbst bestand aus einem gemischten Bestand aus älteren Eichenbrettern und jüngeren Kiefernbrettern (Foto 18), die bereits gewendet waren. Von Brettern des Bestandes wurde auf der Südseite eine Musterfläche innen angebracht. Zu den restlichen Schäden siehe Schadensbericht vom Januar 2002.
Die Reparaturen wurden weit überwiegend mit frisch eingesägtem Eichenholz ausgeführt (Foto 19). Es wurden traditionelle Reparaturverbindungen angewendet gesichert durch Edelstahl-Gewindebolzen (Foto 20). Zunächst wurden die Rähme des Bestandes unter die neuen, schon im ersten Bauabschnitt eingebauten Rähme gebolzt und damit die Ausrichtung des durch Holzschaden aus der ursprünglichen, steil geneigten Pyramidenform geratenen Turmschaftes, vorgegeben (Foto 21. Nordrähm, wiederum auf dem im ersten Bau abschnitt eingebauten Traggerüst abgestützt.) Nach der Errichtung der Nordwand wurden die gelösten Verbindungen des komplexen Tragwerkes (Fotos 22, 23) durch Aufrichten der West- und Südseiten wieder angeschlossen.
Die Passgenauigkeit belegte, dass der Turm im Originalzustand genauso errichtet worden war. Die Ostwand wurde rekonstruiert und trotzdem gelang es, die früher nach dem Umbau zum Hängewerk eingebauten großen Giebelmauer-Stützwerke wieder einzubauen (Foto 24). Da diese Streben funktionslos bleiben, wurden die vorhandenen Holzschäden und Verbindungsmängel nicht repariert. Die Schwellen wurden lediglich geringfügig so weit angehoben, dass unter ihnen das Innenpflaster verlegt werden konnte. Die ebenfalls früher eingebauten drei großen Strebenkreuze zwischen den Nord- und Südwänden wurden wegen des Vorteils der statischen Aussteifung belassen und an die neuen Abmessungen angepasst (Foto 25. Aufklauung des Fußes der mittleren südlichen Strebe auf die Südschwelle.)
Nach der Herstellung der Standfestigkeit des Turrnschaftes zwischen der im ersten Bauabschnitt instandgesetzten Glockenstube mit Turmdach und den verbesserten Fundamenten wurde das Traggerüst ausgebaut (Fotos 26, 27), nachdem unter der Glockenstube noch ein von Nord nach Süd durchlaufender zusätzlicher Balken eingebaut worden war, der die Lasten des darüber befindlichen Glockenstuhles in der Deckenbalkenebene besser abfangen wird, als die gestückten, danebenliegenden Bestands-Balken.
Nach dem erneuten Einrüsten der Außenseiten (Nord- und Südseiten mit Fassadengerüsten, statt mit schmalen Konsolen an den Traggerüsttürmen, die während der Tragwerk-Instandsetzung dort standen), wurde die statisch als Zugglieder relevante Unterkonstruktion für die neue, eichene Brettschalung an die Ständer gebolzt (außenseitig mit angeschweißten Scheiben. Foto 28). Oberhalb der Längsstöße der Schalungsflächen auf halber Schafthöhe wurden dickere Hölzer an Nord- West- und Südseite angebaut, um die handbreite Überlappung der Bretter zu gewährleisten (Foto 29). Da die Rähme deutlich kürzer sind, als die Schwellen (Pyramide) war es erforderlich, die Bretter entsprechend aufzunageln, sodass die Fugendeckleisten über die ganze Höhe in einer Flucht durchlaufen (Foto 30, 31. West-, bzw. Südseite). Die Tür wurde aus der Schalung ausgesägt und mit Spangen versehen, die Schwelle nach dem Muster des Bestandes ausgearbeitet, um eine annehmbare Stufen- und eine verbesserte Durchgangshöhe zu schaffen (Foto 32). Die oberen Abschlüsse wurden an die wieder eingebauten Kopfbänder des Bestandes angepasst, das alte, restaurierte Ziffernblatt wieder angebaut (Foto 33).
Damit ergibt sich inzwischen beispielhaft das folgende Bild von Innenansichten: Foto 34; Nordwand, oben, ostwärts- Foto 35; Ostwand, oben, nordwärts. Foto 36; Ost- und Südwand, oben. Foto 37; Nordwestecke, mittlere Höhe. Foto 38; Westseite, mittlere Höhe. Foto 39; Südwestecke, mittlere Höhe. Foto 40; Nordostecke, unten.
Der im ersten Bauabschnitt entfernte Glockenstubenboden wurde erneuert (Foto 41). Für die Uhrstube und die insgesamt drei Treppenläufe wurden ein Podest auf rund 6m Höhe über Fußboden (Foto 42. Untersicht) und eines rund 1,6m über Fußboden (Foto 43, 44) eingebaut. Der untere Treppenlauf (Foto 43) wurde neu gebaut, der mittlere Treppenlauf (Foto 42) wurde aus dem Bestand entnommen (früher oberer Lauf) und repariert, der obere Treppenlauf (Foto 45) wurde aus dem Bestand entnommen (früher unterer Lauf) und die Stufen in die verdünnten Wangen neu eingestemmt, um die erforderliche steilere Steigung zu erhalten. Alle Podeste und Treppenläufe wurden mit Treppenlochumwehrungen, Handläufen und Geländern ausgestattet. Die Uhrstube wurde wieder eingebaut, wegen der veränderten Platzverhältnisse im Gegensatz zu früher jedoch in Ost-West-Richtung verkürzt (Foto 45).
Die zu Beginn des ersten Bauabschnittes ausgebaute Läuteanlage, sowie die im Zuge der Zimmerarbeiten ausgebaute Elektroanlage (Beleuchtung) wurden wieder eingebaut, bzw. erneuert. Die Kirchgemeinde ließ auf eigene Rechnung Zeiger und Zeigerwerk einbauen, die später an ein Uhrwerk angeschlossen werden können.
Es wurden eine Tagesunterkunft und eine Miettoilette vom Zimmerergewerk gestellt (Foto 46), Bauzaun und Gerüste vom Gerüstbauergewerk (Foto 47) und ein Bauschild angefertigt und angebracht (Foto 48).
Die Baumaßnahmen der beiden Bauabschnitte wurden nach einem langen planerischen und Finanzierungsvorlauf innerhalb von zweieinhalb Jahren, mit eineinhalb Jahren Unterbrechung wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten, durchgeführt.
Sei mäßigem Wartungsaufwand und der unverzüglichen Ausführung eventuell anfallender Reparaturen steht der weiteren, langdauernden Nutzung des Glocken- und Uhrturmes der Kirche Tribohm nichts Vorhersehbares im Wege.